Windspiel einer Möwe
26. Januar 2009 Stadtleben Kommentieren
Als ich letztens an einem Sonntagmorgen von meinem Bett aus durch das Fenster aufmerksam das Spiel einer Möwe verfolgte, war ich wieder fasziniert, wie sie sich spielerisch mit gespreizten Flügeln dem Wind entgegenstellte und durch die Lüfte tragen ließ. Nun, dieses Spiel schien ewig zu gehen und vermittelte mir wieder das von mir so ersehnte Gefühl einer grenzenlosen Freiheit. Wieder wurde mir bewusst, wie sehr sich die Menschen doch gegenseitig der Freiheit berauben.
Ich erinnerte mich, wie ich kürzlich bei einer meiner häufigen Reisen in Düsseldorf verweilte. Es war ein Wochenende, und bei zunehmender Abendstimmung entschloss ich mich von meinem Lieblings-Hotel an der Düsseldorfer Altstadt einen Schlenker über die nahe liegende Kö´ zurück in die Gassen der Altstadt zu machen. Ich freute mich über das zunehmende Treiben der feierlustigen Menschen und genoss hier und da die reflektierenden Reize des weiblichen Geschlechts. Prompt stellte sich ein latenter Durst ein, weshalb ich vor einer der vielzähligen Kneipen stehen blieb. An der Tür fiel mir ein bronzenes Schild mit dem Vermerk “Raucherkneipe” auf. Seit mehr als einem Jahrzehnt bin ich konsequenter Nichtraucher. Das Thema „Rauchverbot“ tangiert mein Verhalten daher kaum. Aber in diesem Moment wurde mir mal wieder bewusst - die Menschen müssen alles regeln.
Ich betrat das Lokal und vergnügte mich beim Anblick der feiernden Gäste. Es war laut und fröhlich, und man spürte, die Leute haben hier Spass am Leben. Zur späteren Stunde, zurück in meinem nur wenige Meter entfernten Vier-Sterne-Hotel bemerkte ich, dass sämtliche Kleidungsstücke den Geruch der verrauchten Kneipe angenommen haben. Ich gebe zu, dass mich das im ersten Moment gestört hat.
Wenn ich nun aber auf dem Bett liegend das Spiel der Möwe verfolge, dann wünsche ich mir, dass auch zukünftig hin und wieder nach einem schönen Abend meine Kleidungsstücke nach Rauch stinken. Für mich ist das ein vergleichbar kleiner Preis für die Freiheit. Die Menschen haben immer Angst vor den bedrohlichen Einflüssen des gemeinsamen Lebens und bemerken gar nicht, dass sie sich immer mehr der eigenen Freiheit berauben.
Japeloup der Windhund